Dresdens harte Vergangenheit ohne Nachrichten
Wer Nachrichten aus Dresden betrachtet, der wird wahrscheinlich zum Auftakt an Mielke und Co. denken. Denn die Elbstadt hatte es in den letzten 40 Jahren wirklich schwer: Wer an Informationen gelangen wollte, der musste schon eine Weile reisen. Im trauten Heim vor der eigenen Röhre kam außer der allgemeinen Station kaum eine andere Aufnahme. Das Bild des imperialistischen Auslands gab es nur in anderen Käffern in Elbnähe. In Dresden gab es dagegen anstatt News nur Gries auf dem TV-Schirm.
Doch warum eigentlich? Die Lösung ist einfach: Dresden ist in einer empfangstechnisch äußerst brisanten Örtlichkeit. Die Hauptstadt liegt tief in einem Boden. Die Hügel auf allen Bereichen also ein unproblematisches Empfangen der Westkanäle. Aktuelle wichtige wirtschaftliche Nachrichten waren damit nicht zu bekommen. Schade, aber die Wahrheit: In Dresden wusste keine Menschenseele, was in auf der anderen Seite der Mauer passierte.
Mit etwas Reiseaufwand ließ sich der Makel aber umgehen: Dresdner schnellten bei außergewöhnlichen TV-Programmen gerne in benachbarte Orte, um den Dresdner Nachrichtennotstand zu umgehen. Vor allem in anderen Regionen in Sachsen gab es Programme und Nachrichten sehr simpel. Klar war auch: Man musste den Fernseher nur lautstärketechnisch nach unten stellen, der Nebenmann sollte doch nicht wissen, dass die Dresdner kaum Nachrichten empfangen konnten und gerade zu Besuch waren.
Jedoch wie sehen die Landeshauptstädter heute die Welt der neuesten Nachrichten Dresdens? Ganz sicher, 23 Jahre nach dem Mauerfall sind die Geschichten vom Tal der Ahnungslosen und die allseits bekannten Fahrten in nicht weit entfernte Städte nur noch Erzählungen. Dresden ist mittlerweile stark im 21. Jahrhundert verwurzelt. Mittlerweile tümmeln sich nahezu alle Dresdner Zeitungen im Internet, die die Leute im Tal der Ahnungslosen mit Neuigkeiten aus Sport, Promi-Kultur oder Party versorgen. Damit sind Nachrichten zum Konsumgut geworden. Zum Glück auch in Dresden.